Herbstakademie 2014

Die 6. Feministische Herbstakademie stand unter dem Titel: „(Ich) Als Feministin in sozialistischer Politik – Wie machen wir Widersprüche produktiv?“

hier findet ihr unsere Workshopergebnisse.

 

  • Workshop 1 Emma und die Prostitution
  • Workshop 2 Alle Sinne entwickeln – Geschichte selber schreiben. Subjektive Erinnerung an feministische Initiative in sozialistischem Kontext – als wir/ich die vier-in-Einem-Perspektive einbrachten
  • Workshop 3 (Ich) Als Feministin in sozialistischer Politik – den Widersprüchen auf der Spur
  • Workshop 4 Bildungsveranstaltungen zu 4in1 konzipieren
  • Workshop 5 Feministisch arbeiten mit Marx
  • Workshop 6 Über den Tellerrand hinaus: Feministisch sozialistischer Internationalismus

Workshop 1 „Emma und die Prostitution“
Methode: Text befragen mit Brecht; dialogisch, Diskussion, aufschreiben

In dem Frauenbewegungsheft (Argument 308) gibt es vielzählige sehr unterschiedliche Texte nach Länge, Gegenstand, Gegend. So auch einen zu Alice Schwarzer und einen zu Gloria Steinem und ihre CIA-Verbindung. Aber solche auch vergnüglich, wenngleich berührt zu lesenden Zeugnisse genügen ja nicht, um tatsächlich die Eingriffe einzelner Personen, – etwa von Alice Schwarzer – zu studieren und begründet damit oder dagegen zu arbeiten.

In der Linken und überhaupt in der Gesellschaft ist die Debatte um Prostitution virulent (wir haben in der Dialektikwoche dazu kontrovers diskutiert und auf der Inkrit-Tagung dazu auch eine intensive Werkstatt durchgeführt.) – Es wäre günstig, hier weiter zu kommen. Der Workshop nimmt sich den Aufruf von Schwarzer zum Verbot der Prostitution und Bestrafung der Freier und probiert an ihm die von Brecht empfohlenen Fragen. Das Ergebnis könnte wie eine Theaterszene im Plenum vorgeführt werden, dialogisch. Es macht Spaß ihr und sich auf die Schliche zu kommen. Brechts Fragen:

Eingreifende Sätze

Die auftretenden oder zu konstruierenden (zusammenfassenden) Sätze müssen da gefasst werden, wo sie als ein Verhalten wirken, also nicht nur einseitig als Spiegelungen, Ausdrücke, Reflexe.
Die Sätze müssen aus den Köpfen auf die Tafeln.
Auf den Tafeln müssen sie ergänzt werden durch andere Sätze, die sie benötigen, mit denen sie vereint auftreten. Es müssen die Tangenten zu politischen Sätzen gezogen werden. Dies nennt man ^das B zum A suchen^^ . Aufzusuchen sind also die Strukturen von Satzglomeraten, Ganzheiten. Dies nennt man ^das Konstruieren eines axiomatischen Feldes^^. Zu lernen ist:

Wann greift ein Satz ein?
Wem nützt der Satz?
Wem zu nützen gibt er vor? Zu was fordert er auf?
Welche Praxis entspricht ihm?
Was für Sätze hat er zur Folge?
Was für Sätze stützen ihn?
In welcher Lage wird er gesprochen? Von wem? (Ges. Werke 20, 174)

Lektüren

Argument 308 Frauenbewegung erinnern (erscheint im August 2014)

Appell gegen Prostitution: http://www.emma.de/sites/default/files/upload/pdf/appell_emma_6_2013.pdf

Mit Ruth May, Sissy Müller


Workshop 2 Alle Sinne entwickeln – Geschichte selber schreiben. Subjektive Erinnerung an feministische Initiative in sozialistischem Kontext – als wir/ich die vier-in-Einem-Perspektive einbrachten
Methode: Erzählen, Zuhören und Schreiben

Motive: Beim Studium der wenigen Dokumente zur Frauenbewegungsgeschichte mussten wir feststellen, dass jede Autorin eine andere Geschichte erzählt. Welches ist die unsere? Gibt es einen Standpunkt der Wahrheit?
Beim Zuhören, wenn Ihr von Konflikten, Erfolgen, Erfahrungen und euch darin berichtet, wurde ich ungeduldig, weil ich nicht herausfinden konnte, wie ihr erzählt, warum, was euch bewegt, wer wie für euch, wer wie dagegen war; welche Interessen und Kräfte die Szene bestimmten.
Ziele: Dieser Workshop soll dazu beitragen, einige unserer menschlichen Sinne zu entwickeln:
Erzählen – Maßstäbe, Verfahren, Anfänge, Spannungsbogen, Moral, Sprache, Anknüpfen, andere Personen, Motive, Hintergründe, einbeziehen der Zuhörenden im Verlauf, Vergnügen, die eigene Person
Zuhören und wahrnehmen – Vorurteile, kulturelle Dimensionen, Beweggründe, Interessen,
Schreiben – verlangt teils die gleichen Mittel wie erzählen, braucht aber auch eine andere Architektur – Einführung, Frage, Widerspruch, Materialien, Durchführung, Lösung oder Schluss als neuen Anfang
Denken – weder erzählen, noch zuhören, noch schreiben gehen ohne Entwicklung der Denkwerkzeuge
Konkret: es geht ums Gelingen und ums Scheitern feministischer Initiative in sozialistischem Raum und unsere Rolle darin. Voraussetzung: was dachten wir als feministisch, also welches Bild haben wir vom Feminismus in uns; was als sozialistisch, welches Bild? wie müssten sich beide ändern? Welche Blockaden zwingen welche Bewegungen auf . Woher kommen wir selbst und wohn gehen wir? Wo ist Feministisches in der vier-in-einem-Perspektive, wo Sozialistisches und wie Beides?
Am Ende des Workshops wissen wir um Bedingungen von Sieg und Niederlage (etwas) von Fehlern und Irrtümern, vom Gelingen. Wir haben Werkzeuge notiert und schriftlich aufgehoben für alle. wir haben erzählen gelernt, zuhören, wahrnehmen, dialektisches Vergnügen Wir haben ein Stück Geschichte geschrieben.

Voraussetzung: jede bringt ein Stück eigener oder beobachteter Initiative mit und versucht, sie in eine erzählbare Form zu bringen – Fabel, Abenteuerroman, Dialog, Drama, Gedicht, Vortrag, Lied – geht mündlich, besser für den Verlauf wäre es, einiges schriftlich zu haben für den Anfang. Wir erarbeiten die Maßstäbe und Formmöglichkeiten an den eingebrachten Stücken gemeinsam – die oben genannten sind ein Anfang – alle sind aufgefordert, weiteres zum Gelingen einzubringen. Es kann nur besser werden.

Gebraucht werden: Lust, Bereitschaft, auf Kritik mit Entwicklung zu antworten. gemeinsame Ziele

Zur Einstimmung aufs Schreiben empfehlen wir einen kleinen Text über das Schreiben von der Krimiautorin Dominique Manotti

Mit Frigga Haug, N.N.


Workshop 3 (Ich) Als Feministin in sozialistischer Politik – den Widersprüchen auf der Spur
Methode: kollektive Erinnerungarbeit (Frigga Haug)

Kennt Ihr die Erfahrung beim Politikmachen, dass Ihr „eigentlich“ etwas richtig findet, was aber zugleich Gefühle in euch hervorruft, die der verstandesmäßigen Überzeugung entgegenstehen und blockierend für´s Handeln sind?
Wir wollen so erlebte Widersprüche mit Erinnerungarbeit bearbeiten und aufspüren, wie wir uns selbst produktive Wege in und aus den Widersprüchen verstellen und welche Alternativen sich daraus vielleicht ergeben.
Mit Erinnerungsarbeit zu arbeiten heißt, aufgeschriebene Erfahrungen (also Texte) ins Zentrum zu stellen und mit methodisch festgelegten Schritten zu bearbeiten. Wir greifen unmittelbar das Tagungsthema auf und bitten die Teilnehmerinnen, eine kurze, detaillierte Szene (so um die 2500 Zeichen) aus ihrer politischen Praxis aufzuschreiben.
Thema: „Als ich etwas politisch richtig fand, was meinem Gefühl zuwiderlief.“ (Variationen sind möglich, wenn sie eine Szene, die euch einfällt, besser charakterisiert)
Vorbereitung: Nach aller Erfahrung macht die Bearbeitung einer Szene großen Spaß, fast immer kommt Überraschendes und Nützliches für alle heraus. Voraussetzung ist aber, dass es Szenen von Teilnehmerinnen gibt. Wir bitten deshalb, aufgeschriebene Szenen mitzubringen (oder auch vorher zu schicken an: jmsiebert@t-online.de ). Ausserdem empfehlen wir dir diese Texte zu lesen:

Einführung in die Erinnerungsarbeit
Bearbeitung einer Szene mit Erinnerungsarbeit

Mit Jutta Meyer-Siebert, Annegret Gabelin


Workshop 4 Bildungsveranstaltungen zu 4in1 konzipieren

Workshopbeschreibung folgt in Kürze
Mit Ulrike Zerhau und Conny Swillus-Knöchel


 

Workshop 5 Feministisch arbeiten mit Marx

Oft machen wir die Erfahrung, dass feministische Mitstreiterinnen Polemiken gegen Marx verfassen und kritische Schlussfolgerungen für feministische Politik vorschlagen. In diesem Workshop wollen wir gemeinsam prüfen, ob die Punkte, die Feministinnen gegen Marx ins Feld führen , tatsächlich seine Auffassung, seine Arbeiten, seine Vorschläge treffen.

Am vorliegenden Text „Feministisch arbeiten mit Marx“ (Frigga Haug) wollen wir die Frage des Marxschen Arbeitsbegriffs und der Auffassung der Familien- und Hausarbeit bei Marx und Engels herausarbeiten und weiter für uns nutzbar machen. Darüber hinaus wollen wir nachzeichnen, warum die Kämpfe um Zeit zutiefst auch den Marxschen Texten und Analysen innewohnen. Wir wollen dem Vorwurf entgegentreten, dass die Kämpfe um Arbeits- und Lebenszeit oder die Frage der Produktion von Geschlechterverhältnissen „Luxus“ und „reformistisch“ seien und sich gar als „Nebenwiderspruch“ abtun ließen. Mit dem Text: „Ökonomie der Zeit“ von Frigga Haug werden diese Fragen und auch die Existenz des Patriarchats in der DDR betrachtet.
Wir wollen versuchen, Frauenbewegung und Marxismus zueinander zu führen. Wir greifen die Hauptvorwürfe auf, nehmen den feministischen Faden, den wir in den Texten von Marx und Engels finden, in unsere Hände und überlegen, ob das Zusammenführen für uns fruchtbar sein kann.

Zu Lesen: Feminitisch arbeiten mit Marx

Mit Nina Eumann und Anna Conrads


 

Workshop 6 Über den Tellerrand hinaus: Feministisch sozialistischer Internationalismus

Bei der Reflexion über die Geschichte der Frauenbewegung befinden wir uns allzu oft in kulturellen, sprachlichen und gedanklichen Schranken und auch in unseren Zukunftsperspektiven bewegen wir uns auf einem relativ kleinen (meist europäischen) Terrain. Dabei verlangt ein Feminismus, der zugleich sozialistisch sein will, doch gerade eine internationale Perspektive. Gemeinsam wollen wir den Blick weiten und den eigenen Feminismus kritisch hinterfragen.

Lektüre: Der Aufsatz von Veronica Schild: „Die Spezifik lateinamerikanischer Feminismen im Kontext neoliberaler Regulierung.
Beunruhigende Divergenzen – Produktive Ambivalenzen“ aus dem Argument 308 dienen als gemeinsame Textgrundlage. Schild empört sich über die US-amerikanische Deutungshoheit in Bezug auf unsere Bewegung. Sie zeigt, wie lokale und kontinentale Besonderheiten in eine internationalistisch gedachte Bewegung eingehen können, die nicht bevormundend wäre. Sie fragt: „Wie bewegen wir uns jenseits eines ethnozentrischen, feministischen Denkens hin zu einer feministischen Kritik, die transnational relevant ist?“.
Ebenso leitet uns der Aufsatz von Zillah Eisenstein: „Neue Proletariate: Frauen aller Farben“ aus dem aktuellen Argument-Heft dazu an, eine globale Perspektive einzunehmen und den Begriff des Proletariats evtl. neu zu denken.

Beide Aufsätze muten uns zu, weiter zu wachsen. Sie können uns befähigen, an der Gestaltung des Kongresses Marxismus-Feminismus (März 2015) in Berlin gestaltend mitzuwirken.

Methode: Textdiskussion und Einbringen eigener Erfahrungen mit Feminismen, die weder euro- noch USA-zentrisch sind.

Voraussetzung: kein Vorwissen im Bezug auf Theorien nötig. Gut wäre es, wenn im Vorfeld Erfahrungen mit anderen Feminismen (diese können aus literarischen Texten, Theorien, Filmen, persönlichen Erfahrungen oder auch von der Musik herrühren) gesammelt und evtl. mitgebracht werden könnten.

Ziel: Den westlich-weissen Feminismus nach Vorurteilen und Lücken befragen, von anderen Feminismen lernen

Mit Ines Schwerdter, N.N.

 

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