Workshops 2021

Workshops:

Die Workshops finden am Samstag nachmittag statt. Bei einigen Workshops ist es nützlich, sich vorab schon einzustimmen und vorzubereiten, z.B. einen Text  zu lesen oder zu verfassen, Material zu sammeln usw. Sofern das notwendig ist, findet ihr die Infos in der Workshopbeschreibung.


Zeitungstheater zum Thema: Frauen in Zeiten der Pandemie
mit Ulrike Zerhau und Conny Swillus-Knöchel

Wir wollen mit den Mitteln des Zeitungstheaters aufdecken, wie die Sprache der Herrschenden bei der Darstellung von Frauen eingesetzt wird. Wir werden der Wirkung eizelner verwendeter Begriffe auf uns nachspüren. Dabei verwenden wir Techniken aus dem „Theater der Unterdrückten“, das der brasilianische Regisseur und Theaterpädagoge Augusto Boal in den 60er Jahren während der Zeit der Militärdiktatur in Südamerika entwickelt hat.

Grundlage für das Zeitungstheater sind alle möglichen Texte: Überschriften, Zitate, Artikel aus Zeitungen, aber auch Reden, Paragrafen, Urteile, Parteiprogramme und alle weiteren. Mit diesen Mitteln wird das Zeitungstheater von den Teilnehmerinnen erfunden und gespielt.

Mit dem Ergebnis unserer Arbeitsgruppe können wir einen Baustein zum Kulturprogramm der Herbstakademie beisteuern.


Zoomkonferenzen, Homeoffice, Homeschooling, Chef-Algorithmen – neue Kampfplätze für das Leben im Online-Kapitalismus
mit Katharina Schwabedissen und Sigrun Matthiessen

Der dichte, fest verschlossene Vorhang zwischen Lohnarbeit und restlichem Leben wurde während der Pandemie löchrig. Das alltägliche Leben kam ins Licht der Scheinwerfer: Kinder tauchten in Teammeetings auf, beim Zoom der Ortsgruppe wurden Pausen zum Kochen und Essen eingelegt, während Telefonkonferenzen die Wäsche aufgehängt, in den Nachrichten waren „Experten“ aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik in schlecht ausgeleuchteten Privatwohnungen zu sehen. Kurz: das Leben und die seit über einem Jahrhundert zu dessen Produktion nötige Frauenarbeit wurde, dank digitaler Kommunikationstechniken, in Räumen sichtbar, in denen es sonst abwesend scheint. Eine Umbruchsituation, in der die Notwendigkeit von Grenzverschiebungen im Sinne der 4 in 1 Perspektive überdeutlich wird – und deren Verwirklichungschancen angesichts der herrschenden Zustände gleichzeitig in weite Ferne gerückt scheinen. Die widersprüchliche Diskussion z.B. um ein gesetzlich verankertes „Recht auf Homeoffice“ – also „Arbeit zu Hause“ – zeigt wieder einmal, dass das Mögliche nicht im Interesse der Menschen, sondern im Sinne etablierter Profitsteigerungen nutzbar gemacht werden soll. In unseren Köpfen taucht Marx’ Satz auf, dass der Arbeiter zu Hause nicht bei der Arbeit und bei der Arbeit nicht zu Hause ist.

Dem fortgesetzten Angriff auf unsere lebendigen Arbeiten und das Leben aller wollen wir in unserem Workshop eine feministische „Homeoffice 4.0“-Utopie entgegen setzen, in der alle Tätigkeiten sich verschieben, neu geordnet und bewertet werden, rund um den Mittelpunkt der Arbeiten: Das Leben!

Wir möchten in diesem Workshop auch mit Collagen arbeiten, deshalb bringt bitte folgendes Material mit:

  • (Frauen)zeitschriften
  • Klebestifte
  • Scheren
  • Euer Lieblingsbastelmaterial


Das Leben ins Zentrum stellen – eine Lesewerkstatt
mit Melanie Stitz

Wir sind sinnliche Körper, die sich lustvoll Welt aneignen, sich gegen Zurichtung und Ausbeutung rund um die Uhr wehren und sperren, die verletzlich, bedürftig und endlich sind. Wir brauchen einander, von der Wiege bis zum Grab. Corona hat einmal mehr vorgeführt, dass wir leibliche Wesen sind, mit der Welt und global miteinander verbunden, in Beziehung zu- und Verantwortung füreinander. Immer wieder wurden wir in den letzten Monaten dazu gemahnt, solidarisch zu sein und auf die Alten und Kranken Rücksicht zu nehmen. Als täten vor allem Frauen das nicht jeden Tag, als sei das eine befristete Ausnahme, als müssten wir uns nur einmal zusammenreißen, bis der Spuk vorbei ist, als wäre Solidarität nicht immer geboten, als müsste Gesellschaft nicht grundlegend darauf gebaut sein. Auch unsere Abhängigkeit und unser „In-Beziehung-Sein“ von unserer natürlichen Umwelt wird gerne verdrängt. Resilienz ist in aller Munde – gemeint ist damit die gesellschaftliche und mehr noch die individuelle Anpassungsfähigkeit an kommende Fluten und Stürme.

Wie sähe Gesellschaft aus, stünde das Leben im Zentrum?

Vielerorts auf der Welt und seit Langem schon machen feministische Bewegungen ernst mit dieser Idee. Manche nehmen z.B. den Körper zum Ausgangspunkt – als umkämpftes Territorium, wenn es um reproduktive Rechte geht, um Gewalt, um den Körper als stets zu optimierende „Problemzone“, als Zumutung und Skandal, als austauschbar und verzichtbar gedacht. Manche Körper zählen offenbar mehr als andere… Sie denken ihn auch als Ort von wertvollem Wissen und Erfahrungen sowie als widerständig Grenzen überwindend, Raum greifend, sich die Straße aneignend.

Gemeinsam lesend wollen wir feministische Kritiken und Utopien (neu) entdecken, die das Leben zum Ausgangspunkt nehmen. Der Workshop will Lust machen auf weiteres Forschen und Lesen in der großen Schatzkiste feministischer Theorie und Bewegung.
Textauszüge werden gestellt.
Bitte schickt gerne Texte, Artikel und Lesetipps schon vorab an melanie.stitz@rls-nrw.de, damit sie in die Textsammlung eingehen können.


Glück in der Krise?
Eine Werkstatt mit kollektiver Erinnerungungsarbeit
mit Jutta Meyer-Siebert und Johanna Sindlinger

Wie in der Ankündigung zur Feministischen Herbstakademie skizziert, hat die Krise bei allen Belastungen und Einschränkungen, die fast alle unsere Lebensbereiche durchzogen,  auch Erfahrungen ermöglicht, die vor allem um ein achtsames, hilfsbereites, Verletzlichkeit und Not aufmerksamer wahrnehmendes Miteinander der Menschen kreisten. Solidarität erreichte eine Zeitlang große Bedeutung als Maßstab für eine neue Normalität, die  – auch davon war in der ersten Coronazeit häufig die Rede – nach Corona nicht die alte sein könne. Mittlerweile scheint doch eher die alte Normalität sich wieder durchzusetzen. Umso wichtiger finden wir es, Erinnerungen an positive Erlebnisse abzurufen und zu prüfen, ob darin allgemeines für Zukunft, die im „Leben vor dem Tod“ beginnen kann, aufzuspüren ist, aber auch, ob (illusionäre) Dímensionen darin enthalten sind, die als ideologische Verhinderungen für das, was wir eigentlich wollen, zu problematisieren wären.

In unserer Werkstatt wollen wir Erinnerungen von uns mit der Methode der kollektiven Erinnerungsarbeit bearbeiten. Das bedeutet, dass wir unsere Erinnerungen in kurzen Texten aufschreiben und in methodisch weitgehend festgelegten Schritten kollektiv bearbeiten. Dabei stehen die Texte im Zentrum, nicht die Autorinnen.

Als Thema zum Schreiben schlagen wir vor:

Als ich in der Krise einmal eine menschlich beglückende Erfahrung machte

In Geschichte, theoretische Vorannahmen und Methode von kollektiver Erinnerungsarbeit, die Frigga Haug mit vielen Frauenprojekten seit den 1980er Jahren entwickelt hat und die mittlerweile auch international von vielen feministischen Gruppen praktiziert wird (auch als „andere“ politische Arbeit in politischen Institutionen), führen wir zu Beginn kurz ein. Eine ausführlichere Beschreibung der Methode gibt es hier:

Wenn Ihr an dieser Werkstatt teilnehmen möchtet, bringt bitte einen Text ausgedruckt mit, in dem ihr eine Situation,  die euch zum Thema einfällt,

  • aus eurer Erinnerung möglichst detailliert, mit allem, was Ihr dazu erinnert, beschreibt. Versetzt Euch beim Schreiben am besten noch einmal mit allen Sinnen, Gefühlen und Gedanken in die Situation. Verzichtet dabei auf Interpretationen und lange Erläuterungen der Vorgeschichte oder Eurer Biografie – es geht um eine (!) konkrete Situation;
  • schreibt in der dritten Person, also über euch als „sie“ oder „er“. Verwende für dich und andere ein Pseudonym;
  • Der Text sollte nicht länger sein als 1 bis maximal 1,5 DinA4-Seiten bzw. rund 500 Wörter bei Schriftgröße 11 oder 12 und Zeilenabstand auf 1,5.

Manche Erinnerungsszenen lassen sich kürzer erzählen. Das ist in Ordnung. Wichtig ist, dass du zufrieden bist, alles Wichtige in der Szene erzählt zu haben.