Workshops 2019

Die Workshops finden am Samstag vor- und nachmittags statt, sind also jeweils als ganztägig konzipiert. Es besteht jedoch bei einigen Workshops die Möglichkeit, mittags zu wechseln. Bei den meisten Workshops ist es nützlich und notwendig, sich vorab schon einzustimmen und vorzubereiten, z.B. einen Text  zu lesen oder zu verfassen, Material zu sammeln usw.


Workshop 1
Keine Utopie ist auch keine Lösung!

mit Daniela Mehler-Würzbach

Wer nach vorne sehen will, darf nicht nach hinten denken? Im Gegenteil! Erfahrung macht weise und oft erst handlungsfähig. Gleichsam lastet die Vergangenheit realsozialistischer Experimente oft schwer auf der Unschuld des Traums von einer besseren Welt und dem guten Leben für alle. Seither muss sich jede Utopie die „Gulag-Frage“ stellen lassen: Wie hälst du es mit der realen Existenz? Wir wollen 30 Jahre nach 1989, einer Zäsur, die für viele als „Ende der Geschichte“ oder „Ende der Utopie“ galt, gemeinsam auf die Suche gehen nach einer Gebrauchsanleitung für die Vergangenheit –für die Zukunft: Was lernen wir aus früheren, vor allem feministischen Utopien – und womöglich auch aus ihrem Scheitern in der Praxis? Wir wollen der „linken Melancholie“ (Enzo Traverso) einen Platz in der Tradition einräumen und lernend aufbrechen zu neuen Ufern


Workshop 2
Mehr von uns ist besser für alle? Arbeitskämpfe in sozialen Berufen als Projekte in eine Gesellschaft von morgen

mit Katharina Schwabedissen

Arbeitskämpfe werden nicht nur weiblicher. Sie werden auch anders. In kaum einm Bereich ist die Verbindung von gesellschaftlicher Spaltung, Unterversorgung und Ausbeutung enger an lohnförmige Arbeitsverhältnisse gebunden als in den sozialen Berufen – Berufen und Tätigkeiten, die weiterhin vor allem von Frauen ergriffen und bewältigt werden. Was als Liebesdienst lohnförmig wurde, ist längst als Produktion lebensnotwendig für alle, die jung oder alt sind und auf Hilfe angewiesen. In den sozialen Berufen hat der Kampf um die Bedeutung der notwendigen Arbeiten und ihrer Bedeutung für eine menschliche Gesellschaft längst begonnen und erobert von dort aus die gesellschaftliche Debatte um die Bedeutung von Menschlichkeit. Was lange als Utopie nicht mal erzählt wurde, ist heute Brennscheibe um die Frage nach Sozialismus oder Barbarei: Mehr Profit gegen mehr Menschlichkeit. Mehr private gegen öffentliche Struktur. Therapie, Bildung, Versorgung nach Kassenlage.

Wir wollen im Workshop anhand von Beispielen erarbeiten, welche Kämpfe Ansatzpunkte für Transformationsprojekte sein können und wie jede einzelne von uns konkret damit beginnen kann.


Workshop 3
Welche Utopie für mich?
mit Frigga Haug und Melanie Stitz

In diesem Workshop geht es um einen Versuch, gemeinsam herauszufinden, aus welcher Erfahrung von Ungenügen, von Leid, wir aufgebrochen sind, um vom gemeinsamen Standpunkt von feministischen Marxistinnen Entwürfe für eine bessere Zukunft, eine Utopie vom guten Leben zu gewinnen. Denn wir leben ja auch in der Gegenwart in einer Zukunft, die es konkret noch nicht gibt, sodass wir uns in dieser Gesellschaft auch fremd werden können und jedenfalls einem ständigen Gegenwind ausgesetzt sind.

Wer teilnehmen möchte, holt sich ihre eigene Notwendigkeit nach Änderung ihrer Lebensweise ihres Lebens, ihrer Beziehungen, ihrer Gefühle, ihres Wollens und Könnens ihrer Praxen ins Bewusstsein und macht daraus ihre Vision sinnlich erfahrbar als Lösung, als Bergbesteigung, und mit wem sie die ersten Schritte gehen konnte.

Methode ist die Erinnerungsarbeit nach vorn. Es braucht die Vorbereitung von allen, die mitmachen. Voraussetzung ist, dass zuvor eine schriftliche Fassung geschrieben und mitgebracht wird (1-2 Seiten, getippt, ca. 10 Mal kopiert) zur Erfahrung:

Als es mir gelang, aus meinem alten Leben auszubrechen und ein neues zu beginnen

Am Nachmittag geht es weiter, dann wollen wir aus den verschiedenartigen Berichten und Diskussionen eine gemeinsame Schlussfolgerung und auch Darstellung für die Gesamtgruppe erstellen.


Workshop 4
Bilder der Utopie – utopische Bilder

mit Elena Simon

Zukunft wird mit Mut gemacht. Die Bilder der Zukunft, die auf uns einprasseln, sind allerdings alles andere als mutmachend: Überschwemmungen, Kriege, Katastrophen, Menschen, die vor Tornados flüchten, sich vor Sicherheitskräften verstecken, hektisch auf ihren Smartphones tippen. Es gibt zig-Tausende Bilder, die sich einbrennen und die Dystopie erfahrbar machen und dadurch realistisch scheinen lassen.

Aber was ist mit der Utopie? Von Science-Fiction über Realsozialismus – utopische Vorstellungen scheinen menschenleer, technokratisch und oft beunruhigend harmonisch. Es scheint fast, als wäre in der hegemonialen Bildordnung der Utopie alles zum Problem erklärt worden, was uns menschlich macht. Wie können wir uns selbst wieder in die Utopie zeichnen? Welche Bilder brauchen wir vielleicht, um sie (wieder) realistisch werden zu lassen? Wie sieht sie aus, unsere Welt frei von Patriachat und Ausbeutung? Brauchen wir dazu bildliche Vorstellungen oder gerade den Freiraum, den die Leerstelle lässt? Mit der Methode der „Postkarten aus der Zukunft“ wollen wir uns daran herantasten, sehen welche visuellen Räume wir erschlieβen können und uns ein Bild von der Zukunft machen.

Materialen werden bereitgestellt – aber bringt gerne auch eigene Farben, Fotos und alles mit was euch dazu einfällt.


Workshop 5
„what is Love?“ – Liebe als Utopie
mit Anna Conrads und Pamela Strutz

Wie ist das Verständnis von Liebe in die gesellschaftlichen Verhältnisse verstrickt? Was passiert, wenn wir an diesen Stricken zerren? Welche Rolle spielen Tugend und Moral? Wie fügen wir uns „aus Liebe“ in die herrschende Arbeitsteilung? Diese Fragen wollen wir gemeinsam stellen, Erkenntnisse gewinnen, Widersprüche aufdecken.


Workshop 6 (nur nachmittags)

Frauen in Rojava: „Wir hätten gerne, dass sich alle Frauen auf der Welt, nicht nur in Syrien, von der Unterwerfung befreien.“
mit Haskar Kırmızıgül und Sabine Skubsch

In Rojava leben mitten im syrischen Bürgerkrieg 4 Millionen Kurd*innen, Araber*innen und Syrer*innen friedlich zusammen. Im „Gesellschaftsvertrag“ der Demokratischen Föderation Nordsyriens sind die Gleichberechtigung der Frauen und die Religionsfreiheit vereinbart. Uns interessiert, wie die Frauen von Rojava in einer konservativ-patriarchalen Gesellschaft eine solche Kraft entwickeln konnten. Gemeinsam mit Haskar Kırmızıgül vom Jineolojî-Komitee in Europa und anderen kurdischen Frauen möchten wir – über die notwendige Solidarität hinaus – auch Widersprüche und Schwierigkeiten gemeinsam reflektieren. Uns geht es auch um einen Transfer zu den Kämpfen jetzt und hier: Inwiefern können Rojava bzw. Jineolojî (die kurdische „Wissenschaft der Frauen“) unsere Kämpfe inspirieren?

 


Weitere Workshops sind in Arbeit