Workshops 2020

Workshops:

Die Vier-in-Einem-Perspektive: ein nützlicher Kompass (nicht nur) in Krisen oder: Was lernen wir von Corona für unsere konkrete Utope?
mit Nina Eumann und Annegret Gabelin

Die Vier-in-Einem-Perspektive orientiert  auf eine Veränderung der Verteilung von Zeit und Arbeit. Erinnert euch das ein wenig an die Zeit der Corona-Krise? Haben viele von uns nicht gedacht, jetzt werden wir die Vier-in-Einem-Perspektive wieder mehr in den Fokus rücken können, weil sich Türen öffnen für die Beteiligung aller an der Sorgearbeit?

Wir wollen dem nachgehen in unserem Workshop. Es geht um nichts weniger als die Frage nach den notwendigen Arbeiten in unserer Gesellschaft und ihrer gerechten Verteilung.

Wir wollen uns die Vier-in-Einem-Perspektive als nützlichen Kompass aneignen und prüfen, ob und wie sich unsere Utopie ändert in Zeiten von Corona und anderen Krisen. Wir werden darüber reden, was gesamtgesellschaftliche Arbeiten sind, wie sie verteilt werden können auf alle und wie wir mit den daraus gewonnen Erkenntnissen eingreifen können in Entscheidungsräume – die ja bereits jetzt verteilt werden.


Erfahrungen in der Krise – Erinnerungsarbeit
mit Frigga Haug, Melanie Stitz und Johanna Sindlinger

Als Feministinnen wollen wir die Verhältnisse zum Tanzen bringen. Beständig wollen wir die Grenzen dessen, was als „normal“ gilt, überschreiten. Hinter uns liegen die finsteren Jahre und so stehen wir auf der Seite des Fortschritts, im Begehren nach einer anderen Zukunft. In diesen Zeiten der Pandemie haben sich manches Mal womöglich aber auch andere Gedanken und Gefühle in uns geregt, zum Beispiel der Wunsch nach Rückkehr und Halt und nach Verhältnissen, in denen wir uns – wenn auch widerständig – doch auskannten und eingerichtet hatten. Viele unserer Praxen, Routinen und Haltungen sind in den letzten Monaten ins Wanken gekommen und der Alltag erscheint noch mühsamer als bisher.

Die Widersprüche gehen mitten durch uns hindurch – so ein Grundgedanke der Erinnerungsarbeit. Ihnen wollen wir nachgehen und fragen, wie wir der Zumutung begegnen, (ver-)lernen zu müssen.

Woran hängen unser Herz und Verstand, was wollen wir für die Zukunft bewahren? Wie können wir uns mit unseren eigenen, auch widerstreitenden und mitunter so gar nicht revolutionären Gefühlen verbünden?

Dazu wählen wir die Erinnerungsarbeit als Methode.
Eine Teilnahme an diesem Workshop setzt voraus, schon vorab einen Text zu verfassen zu dem Thema: Als ich mich einmal dabei ertappte, konservativ (rückwärtsgewandt) zu denken und zu fühlen…

  • Es sollte sich dabei um eine konkrete Situation / Szene handeln
  • möglichst detailliert in der 3. Person beschrieben („sie“ statt „ich“)
  • 1,5 Seiten lang, getippt und ca. 8 Mal kopiert

Einen Leitfaden zur Methode von Frigga Haug gibt es hier: https://feministischeherbstakademie2013.files.wordpress.com/2015/03/haug_leitfaden-erinnerungsarbeit_1999.pdf

Ein Beispiel hier: https://feministischeherbstakademie2013.files.wordpress.com/2013/07/beispiel-8-mc3a4rz.pdf

Sowie im Protokoll zur letzten Herbstakademie ab Seite 26: (siehe Website)


Krisenberichterstattung – oder wie Feminismus in aktuellen Debatten zu Wort kommt
Medienanalyse und Schreibwerkstatt mit Sigrun Matthiesen und Anne-Kathrin Lennarth

Der Workshop beginnt mit einer kritischen Medienauswertung die sich auf aktuelle empirische Forschung stützt, und bietet Raum, eigene Erfahrungen und Beobachtungen zu teilen. In der praktischen Phase können ausgewählte Texte feministisch umgeschrieben werden oder Beiträge zu eigenen Themen produziert werden. Dabei werden sowohl gängige analoge Textformen als auch neue digitale Formate z.B. in social media Kanälen berücksichtigt.

Diejenigen, die an der Schreibwerkstatt teilnehmen wollen und  nicht mit der Hand schreiben wollen, bringen  bitte einen Laptop/Tablet.
Gerne könnt Ihr auch  eigene Themen /bzw. auch schon angefangene Texte mitbringen. Das ist aber kein Muss.

Kritische Auseinandersetzung mit digitaler Technologie aus feministischer Sicht
mit Sabine Skubsch und Biggi Ostmeyer

Nach kurzen Inputs wollen wir uns gemeinsam mit folgenden Fragen befassen:

  • Wie verändern die neuen Technologien unser Verhalten (dazu Frigga Haug: Facebookverhalten)
  • Digitale Technologien verändern unser Leben in allen Bereichen – Wie nutzen wir die technischen Möglichkeiten? Wie wollen wir sie nutzen?
  • Homeoffice: Alptraum oder Chance? Wochenlang konnte während der Coronakrise die Arbeit im Homeoffice erprobt bzw. erlitten werden. Welche Erkenntnisse ziehen wir daraus?
  • Wie wirken sich die Veränderungen durch die digitale Transformation auf die Geschlechterverhältnisse aus (Arbeitsmarkt, Bildung, Verteilung, bezahlte, unbezahlte Arbeit, Einkommen, Vermögen, Familienstrukturen, Beteiligung, Macht, Partizipation)? Welche Befürchtungen haben wir? Welche Utopien lassen sich damit verbinden?
  • Digitalisierung vergrößert die soziale Kluft. Mit welchen Mechanismen? Wie wollen wir gegensteuern?
  • Social Media: Welcher Umgang ist beispielsweise mit Hass-Kommentaren möglich?
  • Wie erheben wir einen feministischen Gestaltungsanspruch auf den Prozess der digitalen Transformation? Was ist unsere Utopie darin? Wie können wir für sie kämpfen?

Zeitungstheater
mit Ulrike Zerhau und Conny Swillus-Knöchel

Wir wollen das Thema der Herbstakademie mit der Methode des Zeitungstheaters bearbeiten. Dabei verwenden wir Techniken aus dem „Theater der Unterdrückten“, das der brasilianische Regisseur und Theaterpädagoge Augusto Boal in den 60er Jahren während der Zeit der Militärdiktatur in Südamerika entwickelt hat. Die Beherrschten sollten sich emanzipieren können, sich befreien, sie sollten aus der Rolle der Zuschauer in die der Handelnden wechseln. „Ich habe aber immer versucht, Brecht vom Kopf auf die Beine zu stellen und vom Denken ins Handeln zu kommen“, sagte Boal einst auf dem Platz in Rio.

Mit den Mitteln des Zeitungstheaters lernen wir, genauer zu lesen oder zu hören und Hinter-Gründe von Texten zu erfassen. Indem Meldungen verfremdet werden, entstehen neue Assoziationen, und so können wir ihren wirklichen Aussagen auf die Spur kommen, einen anderen Blick auf alltägliche Meldungen einnehmen und besser „zwischen den Zeilen“ lesen.

Grundlage für das Zeitungstheater sind alle möglichen Texte: Überschriften, Zitate, Artikel aus Zeitungen, aber auch Reden, Paragrafen, Urteile, Parteiprogramme und alle weiteren. Mit diesen Mitteln wird das Zeitungstheater von den Teilnehmenden erfunden und gespielt.

Damit uns in der Arbeitsgruppe möglichst viele und eine bunte Auswahl von Texten vorliegen, bringt bitte alte und neue Tageszeitungen, Zeitschriften, Reden, Anträge und Videos aus den letzten Wochen zum Thema mit. Mit dem Ergebnis unserer Arbeitsgruppe können wir einen Baustein zum Kulturprogramm am Samstagabend beisteuern.