Unverschämt bescheiden. Die große Aneignung.

Feministische Herbstakademie für Frauen

Mit Vernunft und Leidenschaft eignen wir uns die Welt  und unser Mensch-Sein an – auf vielfältige Weise mit all unseren Sinnen.  Wir betreten die Räume der Literatur und anderer Formen von Kunst, arbeiten uns in Sprache, Geschichte, Kultur und Wissenschaft hinein. Wir mischen uns in alte Kämpfe um Arbeit ein, um sie perspektivisch anders zu gewinnen.

Aneignung ist dabei ein Tun, das uns selbst ebenso verändert wie die Verhältnisse. Indem wir sie uns „zu eigen“ machen, verändern wir  auch die Felder oder Gegenstände selbst. Als Frauen stoßen wir dabei auf vielerlei spezifische Schranken, Blockierungen und Hindernisse. Oft ringen wir dabei nicht nur um Teilhabe, sondern auch um Deutungen und Gestaltungsmacht.

Feministische Perspektiven sind mehr denn je gefragt, vor allem bei der Suche nach einer verbindenden Klassenpolitik, nach Auswegen aus den vielfältigen Krisen und nach Antworten auf rechte Entwicklungen (siehe Trump und AfD…). Anmaßend bescheiden wollen wir behaupten, dass Frauen – und vor allem uns Feministinnen – eine besondere Rolle zukommt. Nicht etwa, weil Frauen „an sich“ so wunderbar anders oder gar besser wären, sondern weil sich aus vielen ihrer schon gegenwärtigen  Praxen und Erfahrungen für zukünftiges Gemeinwesen lernen lässt.

Dieser Aufgabe wollen wir uns gemeinsam – in notwendig kleinen Schritten – annehmen:
Wie füllen wir die Leerstellen in Geschichte, Kunst und Wissenschaft, an denen Frauenpraxen bislang fehlen? Wie schreiben wir unsere Erfahrungen  ins kollektive Gedächtnis ein? Welche Fähigkeiten brauchen wir dafür, die  in den Bereichen von Kunst und Wissenschaft uns bislang verschlossen scheinen? Welche transformative Kraft liegt in den Praxen von Frauen – und wie bringen wir sie zur Wirkung? In den gegenwärtigen Verhältnissen haben Frauen viel zu gewinnen und wenig zu verlieren: Wie schöpfen wir daraus Kraft und Mut?

Gemeinsam wollen wir uns in Workshops dem Projekt der „großen Aneignung“ nähern: indem wir uns in Diskursanalyse und Erinnerungsarbeit üben, uns gemeinsam Texte, Bilder, Filme aneignen und nicht zuletzt: selber schreiben, Collagen erstellen, unsere Fragen auf die Bühne bringen…

Das Feld der Kunst interessiert uns in diesem Jahr besonders: Kunst verstehen wir dabei nicht als Beiwerk oder Luxus, sondern als Lebensmittel und produktive Praxis. Kunstaneignend  setzen wir uns unverschämt  als Selbstzweck und schreiben uns zugleich ins kollektive Gedächtnis ein. Kunst ist als wichtiger Bereich in der „Vier-in-Einem-Perspektive“ immer mitgedacht und zugleich für viele eine Leerstelle: „Dafür habe ich nicht auch noch Zeit“ – „Das kann ich nicht“ – „Kunst ist mir fremd und kann ich bestenfalls nur konsumieren“ … so und ähnlich lauten vielleicht die Blockaden.

Bislang geplant sind die Workshops

  • Um Arbeit feministisch kämpfen
  • Theater um notwendige und Mehrarbeit – eine Begriffsaufstellung
  • Lesend produzieren wir
  • Kunst als Lebens-Mittel
  • Wir schreiben’s hin! Dann steht es da…?
  • Theorien lesen – mit Vernunft und Leidenschaft
  • Frauenstreik als verbindende Praxis

Unsere Arbeitsweise:

Die Workshops finden am Samstag vor- und nachmittags statt, sind also jeweils als ganztägig konzipiert. Es besteht jedoch die Möglichkeit, mittags in einen anderen Workshop zu wechseln. Bei den meisten  Workshops ist es nützlich und notwendig, sich vorab schon einzustimmen und vorzubereiten, z.B. einen Text  zu lesen oder zu verfassen, Material zu sammeln usw.

Veranstalterinnen:

Institut für kritische Theorie InkriT (Feministische Sektion) und Rosa Luxemburg Stiftung, organisiert und durchgeführt in Kooperation mit dem ver.di Institut für Bildung, Medien und Kunst im Bunten Haus in Bielefeld

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